»Mein erstes Seminar.« Bericht zum Koryu Uchinadi-Seminar mit Olaf Krey

Wie ich zum Koryu Uchinadi gekommen bin weiß ich gar nicht mehr. Aber ich war und bin auf der Suche nach meiner inneren Balance und  einem Ausgleich zu meinem Alltag. Seit ca. 6 Monaten trainiere ich nun in der Karateschule Otomo Zittau. Am 16./17. November stand für mich das allererste Seminar an. Meine Gefühlslage diesbezüglich war ähnlich einer Prüfungsangst. Ich war sehr angespannt, aufgeregt und hatte Angst etwas falsch zu machen, besonders beim Reishiki (Etikette). Dieses Gefühl spitze sich zu je näher unser Freitagstaining kam. Es waren schon Gäste aus Dresden, Königsbrück, Bielefeld und (für mich immer noch der Wahnsinn) sogar aus Darmstadt angereist. Ich versuchte mich zu besinnen was ich bis dahin gelernt hatte doch mein Kopf war leer und meine Nervosität gewann die Oberhand.

Dinah begann wie immer souverän das Training. Nach der Erwärmung folgte Tegumi, ein Lichtblick für mich, da mir die Übungen bekannt waren. Doch als bei Tzuki Waza jemand meinte: „..-da sind sie ja…“ viel es mir sehr schwer mich weiter zu konzentrieren. Gemeint waren Thomas und Sensei Olaf Krey. Meine Gedanken kreisten nur darum nichts falsch zu machen statt um die Übung. Dinah gab das Kommando und Olaf wurde von allen begrüßt als er das Dojo betrat. Olaf begrüßte uns ebenfalls mit einem freundlichen „Hallo“ und „weitermachen“. Ehrlich, ich war etwas verwirrt. Er war nicht streng, er bestand auf keine übertriebene Förmlichkeit und er sagte  nur „Hallo“. Diese Begrüßung nahm mir einen wesentlichen Teil meiner Anspannung. Sehr erleichtert ging das Training weiter. Ich war dankbar über jeder Verbesserung durch Olaf oder meiner Trainingspartner und versuchte diese auch sofort umzusetzen. Aus diesem Training ging ich mit dem Bewusstsein doch schon etwas zu können. Es folgte ein gemütlicher Abend im Jolesch.

Am Samstagmorgen trafen wir uns alle in der Südturnhalle. In der alles bestens organisiert war. Ob Heinz an der Kasse, die Koryumänner für die Matten und benötigten Materialien in der Halle oder die Koryufrauen für die vielfältige leckere Pausenverpflegung, alles war vorhanden. Zu Beginn waren unter den Teilnehmern auch Gäste aus Polen und Tschechien und  verschiedene Budorichtungen vertreten. Das Seminar begann mit Haishu Waza zu Erwärmung. Ein guter Start für mich. Es war wieder eine mir bekannte Kata. Wobei mir die Soloform schwerer fiel und fällt. Im Gegensatz dazu bin ich, anders als erwartet, bei der Partnerform (futari geiko) mitgekommen und konnte es gut umsetzten, das motivierte mich sehr.
Sonst hätte ich bei Aragaki Seisan sehr wahrscheinlich alles hingeschmissen. Dass ich es nicht getan habe verdanke ich der Teilung der Teilnehmer für die Soloform in Unerfahrene und Erfahrene. Wobei ich die Chance hatte diese Kata von Grund auf zu erlernen, beginnend mit dem Ablauf. Auch verdanke ich es der ständigen Wiederholung, der Korrektur, Geduld, Ausdauer und Motivation durch Olaf und allen anderen Teilnehmern und Trainingspartnern.
Ich war erstaunt wie viel mein Gehirn aufnehmen konnte und doch enttäuscht das es nicht mehr war. Immer wieder sah ich mir die Abläufe an und lies mir Einzelheiten erklären. Alles sah so einfach, dynamisch und nach Leichtigkeit aus, doch ich konnte es nicht mehr umsetzten. Mein Kopf fühlte sich so leer und zu gleich so schwer an. Ich sah Bewegungen und konnte sie nicht nach machen. Meine Arme und Hände taten nicht das was ich wollte, ich wusste nicht mehr wo links und rechts ist und sowieso hatte ich den Anfang schon nach zwei Sekunden vergessen. Ich war so mit mir beschäftigt das ich nicht mehr darüber nachdenken konnte, was andere über mich denken würden und ob ich was falsch mache. Hier ging es eindeutig nicht um physische Anstrengung sondern psychische Belastbarkeit. Und meine war ausgereizt. Immer wieder staunte ich darüber, wie andere Teilnehmer mir einzelne Sequenzen aus der Kata und dem Drill, anscheinend ohne wesentlich darüber nach zu denken, erklären konnten. In der Pause überlegte ich ob ich nach Hause gehen sollte.

Doch ich hatte meinen Bo ja nicht umsonst mitgebracht. Also ging es am Nachmittag mit Bojutsu weiter. Mit einem Stock in der Hand war gleich wieder mehr Aufnahmefähigkeit wieder da. Da es Teilnehmer gab die noch nie oder noch nicht lang mit einem Bo üben, wurden auch hier wieder in Gruppen geteilt. Während die Erfahreneren bereits eine Bo-Kata vollführten, versuchte ich immer noch verzweifelt meinen Bo um mich herum zu drehen. Es folgten weitere Basics und der Ende des ersten Seminartages, an dem ich meine Grenzen kennenlernt habe. Auch an diesem Abend gab es ein gemütliches und lustiges Beisammensein mit philosophischen  Ausschweifungen.

Leider nur noch mit 12 Teilnehmern begannen wir den Sonntag mit der Wiederholung meiner “geliebten“ Aragaki Seisan in Einzel- und Partnerform. Ich hatte alles schon mal gesehen und gemacht aber ich konnte es immer noch nicht umsetzen. Schnell machte sich meine bekannte Verzweiflung vom Vortag wieder breit. Es war also auch immer wieder ein innerer Kampf mit mir selbst. Eine weitere Überwindung kosteten mich der Ausstieg des Aragaki Seisan Drills in Form von Takedows (Würfe). Durchaus eine interessant und anwendungsergänzende Form des Drills. Für diesen Tag vorerst eher nach meinem Geschmack da es meinen Kopf etwas entlastete. Dieses Gefühl wehrte allerdings nicht lang. Immer wieder stockte ich an den gleichen Stellen, wusste nicht weiter oder traute es mir nicht zu. Rückblickend betrachtet ist der Selbstzweifel  meist unbegründet, eher hinderlich und somit der größter Gegner. Auch die Aussagen der anderen Teilnehmer das es ganz normal sei am Anfang nicht mitzukommen und sich nicht alles merken zu können und umsetzen zu können brachte mir falschen Ehrgeiz und meine Verzweiflung zurück. Wieder ging es zum Abschluss an das Bo jutsu und somit zu Pechin Kumibo bzw. Sei jutsu. Dieses Mal war ich vor Wut den Tränen nahe und überlegte bei jeder verpatzten Aktion aufzugeben. Wobei mir selbst diese Wut galt. Und trotzdem schaffte ich einen guten ersten Teil dieser Kata. Und das wiederum machte mich ein wenig stolz. Zum Ende des Seminars bedankte sich Olaf für die Einladung  und für die internationale Beteiligung, für die Organisation und dessen Mithelfer im Hintergrund.

Ausgepowert, Ausgelaugt und Glücklich verließ ich das Seminar. An den folgenden Tagen waren nur mein Schlaf und das Seminar in meinem Kopf präsent. Heute nach zwei Wochen kann ich beruhigt sagen, dass es anstrengend und stressig war. Aber es war durchaus positiver Stress, der meine Ausdauer, mein Durchhaltevermögen und meine Willensstärke gefördert und gestärkt haben. Was mir wiederum ein positives Lebensgefühl und Energie und somit eine Art Zufriedenheit brachte. Das ist genug Motivation bis zum nächsten Seminar weiter zu machen und dran zu bleiben.

Katja Körner, Karate-Schule OTOMO

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