Betrachtung zum Kyusho Jitsu

Im Kyusho Jitsu bekommt die Hand oft die meiste Aufmerksamkeit.

Die Schüler wollen wissen, wo sie schlagen, wo sie drücken, wo sie greifen, wo sie reiben und welchen Winkel sie verwenden sollen. Sie wollen den richtigen Druckpunkt kennen und den besten Weg, ihn zum Laufen zu bringen.

 Das ist verständlich.

Die Hand ist leicht zu erkennen.

 Aber der Geist hinter der Hand ist oft wichtiger.

Die Hand arbeitet nicht allein. Die Hand folgt dem Geist. Wenn der Geist gehetzt ist, wird die Hand gehetzt. Wenn der Geist angespannt ist, wird die Hand angespannt. Wenn der Geist abgelenkt ist, wird die Hand nachlässig. Wenn der Geist wütend ist, verliert die Hand oft die Präzision.

 Das ist eine der stillen Lektionen des Kyusho Jitsu.

Eine Person kann die Lage vieler Druckpunkte kennen und trotzdem schlechte Ergebnisse erzielen, weil der Geist nicht ruhig ist. Er kennt vielleicht den richtigen Winkel, aber wenn sein Atem hoch und sein Körper angespannt ist, kann sich die Technik erzwungen anfühlen. Er kennt vielleicht die Theorie, aber wenn seine Aufmerksamkeit gestreut ist, könnte er das Feedback des Körpers übersehen.

 Kyusho Jitsu ist keine Spekulation.

Der Körper gibt ständig Informationen. Es spricht durch Haltung, Anspannung, Gleichgewicht, Atem, Gesichtsausdruck, Bewegung und Widerstand. Aber der Schüler muss ruhig genug sein, um zu bemerken, was der Körper sagt.

 Deshalb ist Präsenz wichtig.

Du musst sehen können. Du musst fühlen können. Du musst dich anpassen können. Du musst in der Lage sein, deine eigene Reaktion zu kontrollieren, bevor du versuchst, den Körper einer anderen Person zu kontrollieren.

Das ist keine Schwäche.

Das ist Reife.

 Ruhiges Training macht den Kampfkünstler nicht weich. Ruhiges Training macht den Kampfkünstler genauer. Sie gibt dem Geist genug Raum, um Informationen aufzunehmen. Das verleiht der Hand genug Empfindlichkeit, um die Richtung zu wechseln. Sie ermöglicht es dem Schüler, den Unterschied zwischen dem Erzwingen einer Technik und dem Lenken einer Reaktion zu spüren.

 Viele Schüler versuchen, jedes Problem mit mehr Druck zu lösen.

Sie drücken fester. Sie greifen fester. Sie schlagen mit mehr Kraft zu. Sie glauben, die Antwort ist immer mehr Macht.

 Aber Kyusho Jitsu lehrt oft das Gegenteil.

 Manchmal ist die Antwort weniger Spannung. Manchmal ist die Antwort ein besseres Timing. Manchmal ist die Antwort eine kleine Änderung des Winkels. Manchmal ist die Antwort ein ruhigerer Geist und eine intelligentere Hand.

 Hier beginnt der ernsthafte Schüler zu wachsen.

Ein Schüler, der nur die Hand trainiert, kann mechanisch werden. Er wiederholt zwar Bewegungen, versteht aber nicht, was passiert. Er kann Reaktionen verfolgen, aber nicht verstehen, warum diese Reaktionen auftreten.

 Ein Schüler, der Geist und Hand gemeinsam trainiert, beginnt, echte Fähigkeiten zu entwickeln.

 Er lernt zuzuhören durch Kontakt. Er lernt, sich ohne Panik anzupassen. Er lernt, dass der Druckpunkt nicht nur eine Stelle am Körper ist. Es ist Teil eines lebendigen Systems. Dieses System umfasst Nerven, Muskeln, Struktur, Atem, Emotion, Gleichgewicht und Absicht.

 Deshalb darf Kyusho Jitsu niemals nur körperlich werden.

Die körperliche Fähigkeit ist wichtig, aber sie reicht nicht aus. Auch der Geist muss trainiert werden. Der Atem muss trainiert werden. Das Bewusstsein muss trainiert werden. Die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben, muss trainiert werden.

 Vor deiner nächsten Trainingseinheit nimm dir eine ruhige Minute, bevor du beginnst.

Beruhige deine Atmung. Entspann deine Schultern. Versehe den unnötigen Lärm aus deinem Geist. Dann beginnen Sie mit Ihrem Training und achten Sie darauf, wie Ihre Hände Informationen aufnehmen.

 Du wirst vielleicht feststellen, dass deine Technik klarer wird, bevor du überhaupt Geschwindigkeit oder Kraft hinzufügst.

Die Aprilkolumne

Ich habe oft darüber nachgedacht, warum wir uns manchmal selbst blockieren, obwohl wir jahrelang trainiert haben. Mir ist klar geworden: Das Verstehen kann lange dauern, weil du den Intellekt benutzt. Wir versuchen, alles mit Logik zu greifen – doch im entscheidenden Moment ist genau das unser größter Feind.

Die Weisheit des „Verrücktseins“

Ich erinnere mich oft an ein Zitat aus dem Zen, das mich tief bewegt: „Es gibt eine Weisheit, die man nur erlangt, wenn man verrückt wird und den Verstand loslässt.“

Das klingt im ersten Moment paradox, oder? Aber wenn ich es auf das Karate übertrage, ergibt es plötzlich Sinn. Im Kampf ist das bewusste, kontrollierte Abwehren ironischerweise ein Hindernis. Ich habe selbst erlebt, wie es die Reaktionsfähigkeit massiv verlangsamt.

Was passiert dabei eigentlich in uns?

Ich habe mir den Prozess genau angeschaut: Um abwehren zu können, brauchen wir einen Impuls – die bewusste Wahrnehmung, dass ein Angriff kommt. Diese Information gelangt ins Gehirn, das daraufhin einen Befehl an die Muskulatur schickt, die dann eine Abwehrtechnik ausführt.

Merkst du den Umweg?

Genau hier liegt das Hindernis. Dieser Prozess macht den Karateka langsam. Und er ist fehleranfällig: Der Angriff kann schneller sein als unser Gedanke. Er kann eine Finte sein, eine Serie oder eine Kombination, auf die unser Verstand gar nicht schnell genug reagieren kann.

Die Blockade unserer Instinkte

Was haben wir damit eigentlich verursacht? Ich denke, wir haben einen entscheidenden Fehler gemacht: Wir haben einen Instinkt eingeschränkt. Das tiefe Wissen, das wir nach Jahren gesammelter Erfahrung in uns tragen, haben wir durch krampfhaftes Denken blockiert. Wir stehen uns mit unserer Logik selbst im Weg.

Was nun? Der Weg des Loslassens

Mein Rat an mich selbst und an dich: Versuche nicht zu verstehen und denke nicht. Einfach loslassen.

Das Verrückte daran: Ein Angriff kommt und wir denken nicht an die Verteidigung. Wir handeln nicht im klassischen Sinne, sondern wir entspannen uns. In diesem Moment, in dem das Ego und der Planer in uns schweigen, geben wir unser Potenzial frei, damit es sich entfalten kann.

Der Karate-Meister Kenji Tokitsu schreibt in seinem Buch Ki and the Way of the Martial Arts treffend: „Es gibt kein Karate ohne Zen.“

Wie übt man das?

Nicht durch eine bestimmte Technik, sondern durch eine Art, zu trainieren. Im Jiyu Ippon Kumite zum Beispiel kannst du bewusst darauf verzichten, dir eine Antwort zurechtzulegen. Warte den Angriff ab ohne Plan, ohne Erwartung. Auch die Zeit vor und nach dem Training ist wichtig: Ein paar Minuten Mokuso, in denen du den Atem ruhig werden lässt, trainieren genau die Qualität, die im Kampf gebraucht wird. Es ist eine Übung, die man nicht „erreicht“, sondern über die Zeit kultiviert.

Nicht nur im Dōjō

Dieses Prinzip endet nicht mit dem Kiai am Ende des Trainings. Wer kennt es nicht: In einer wichtigen Prüfung, in einem schwierigen Gespräch oder bei einer Entscheidung unter Druck wird der Kopf plötzlich laut und gerade dann verlieren wir den Zugang zu dem, was wir eigentlich können. Das Karate schult genau diese Fähigkeit, im entscheidenden Moment ruhig zu bleiben und zu vertrauen. Das Dōjō ist nur der Übungsraum. Das Leben ist das eigentliche Feld.

Meine Meinung

In meinem Buch zur Selbstreflexion Woher weißt du, dass es wahr ist? sagt der Meister einen Satz, der mich bis heute begleitet: „Das Verstehen kann lange dauern, weil du den Intellekt benutzt. Wenn du loslässt und dich entspannst, wirst du ohne Verzögerung verstehen.“

Es geht nicht darum, das eigene Wissen zu vernachlässigen, sondern das wahre Wissen aus unserem Unterbewusstsein freizulassen – frei von Gedanken oder Absichten. Wenn wir den Mut haben, uns im Sinne des Zen „verrückt“ zu verhalten und unseren Verstand loszulassen, entsteht eine Klarheit, die weder Zeit noch Raum benötigt.

Es geht um eine Dimension, die uns viel mehr ermöglicht, als wir uns vorstellen können.

Quelle: Fiore Tartaglia

Dojolehrgang Februar 2026

Thema: Von der Kata zu praxisorientierter Anwendung und Kyuprüfungen

Die kritischen Prüfer geben sich entspannt
Die „Reifezeugnisse“ sind fertig

                             

Zufriedene Gesichter – alle haben bestanden

Der erste Lehrgang im eigenen Verein sollte den Teilnehmern die praktische Seite der Karatekata vermitteln. Zu diesem Zweck hatte ich die KATA Heian Nidan gewählt um unseren noch nicht so erfahrenen Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Thematik zu erleichtern. Es war nicht nötig die Kata im vollen Umfang zu kennen und können. Jedes einzelnen Element der Kata wurde gesondert betrachtet und dazu geeignete Anwendungen angeboten. Einerseits als Kumiteform bzw. Partnerübung andererseits aber in selbstverteidigungsgerechter Form (und ein wenig Kyusho Jitsu war auch dabei). Hier konnte und musste von der den korrekten Grundstellungen und ansonsten sicheren Übungsdistanzen abgewichen werden. Entscheidend war, zu vermitteln, den Angreifer sicher unter Kontrolle zu bringen und den Angriff zu beenden. Wir hatten über vier Trainingseinheiten verteilt damit die Kata analysiert und ihre Bedeutung in praktischer Anwendung vermittelt.

Erstaunlich war die Disziplin und der Eifer vor allem der Kinder die ansonsten den strengen Frontalunterricht gewohnt hier in freier Atmosphäre agieren konnten nicht ständig dem kontrollierenden Blick des „Lehrers“ im Nacken spürten.

Den Höhepunkt stellten natürlich die anschließenden Prüfungen dar. Aus Sicht der, diesmal zwei, Prüfer gab es bestenfalls kleine Korrekturen und Hinweise und beruhigende Worte wenn die Aufregung zu groß wurde. Allen konnte Lob für Leistung gezollt werden. Nicht zuletzt ist es aber auch den jeweiligen Trainern zu verdanken die ja auch einen ordentlichen Beitrag dazu gaben. Besonders gelobt werden muss an dieser Stelle einmal unser Micha der sowohl als Kindertrainer sein Bestes gibt aber auch für diesen Lehrgang wieder die gute Seele im Hintergrund war.

Die Prüfung bestanden

zum 8. Kyu: Baez Elecier, Emely und Torsten Schatan, Magnus und Emanuel Husar, Madison und Madita Giehrt, Fred und Fin Albrecht.

zum 7. Kyu: Vasilahon Shermatova

zum 6. Kyu: Juliane Mendel

zum 5. Kyu: Elham Bator und Moritz Kreisig

zum 4. Kyu: René Neumann

Hier noch einige Bilder aus Lehrgang und Prüfung

                      

Diesmal war es also nicht nur die Prüfung die absolviert wurde sondern ein themenorientierter Lehrgang wurde vorgeschaltet. Das Feedback auf dieses Format war durchgehend positiv und so werden wir es für die Zukunft beibehalten.

Heinz Deecke

Lehrgang

Ausschreibung LG

Liebe Sportfreunde,

wir wollen das Jahr 2026 mit einem Lehrgang in unserem Dojo beginnen. Haltet euch den 28.02.2026 frei.

Der Lehrgangsleiter freut sich auf euch

Beste Wünsche

wünschen wir allen Mitgliedern und ihren Familien, allen unserer Kampfkunstfreunde, den Sponsoren und Freunden des Vereines.

Das vergangene Jahr war ein durchaus erfolgreiches. Besonders unser Wettkampfkinder konnten auf drei Turnieren zeigen das sie durchaus auf das Siegerpodest gehören. Der Verein hat sich weiter stabilisiert und so sehen wir durchaus optimistisch auf das Jahr 2026.

 

40 Jahre Karate in Zittau – 35 Jahre Karate Schule OTOMO Zittau

Eine Chronik

Liebe Mitglieder und Freunde der Karate Schule OTOMO Zittau, dieses Jahr feiern wir zwei Jubiläen. Aus diesem Anlass soll hier ein Abriss unserer Entwicklung stehen.

Viel Spaß beim lesen.

ChronikOTOMO

1985 – 2025 40 Jahre Karate in Zittau

Der eine wartet bis die Zeit sich wandelt;

er andere packt sie an und handelt.(D.A.)

Dante Alighieri bringt es auf den Punkt. Aus einer kleinen Gruppe Kampfsportenthusiasten, die vor nunmehr 40 Jahren hier in Zittau begannen zu trainieren, ist unser Verein die

Karate Schule OTOMO Zittau e.V.

hervorgegangen. Dieses Jubiläum möchten wir mit ihnen/dir zusammen begehen.

Wann? Freitag, 22.08.2025, 16:00 bis 18:00 Uhr

Wo? Vereinssportstätte, Zur Reißigmühle 1a, 02763 Zittau

Es wäre uns eine Freude sie/dich zu diesem Anlass begrüßen zu dürfen.

Gern präsentieren unsere Mitglieder eine Kostprobe unseres Kampfsportes. Bei einem kleinen Imbiss und verschiedenen Getränken ist Zeit über unsere Vereinsgeschichte zu plaudern und unsere Trainingsstätte eingehend zu besichtigen. Selbstverständlich stehen wir für ihre/deine Fragen bereitwillig zur Verfügung.

Aus organisatorischen Gründen bitte wir sie/dich uns bis zum 31.07.2025 Bescheid zu geben ob es ihnen/dir möglich ist an unserem Jubiläumsempfang teilzunehmen. Rückmeldung bitte an

mail@otomo-zittau.de oder telefonisch unter +49 174 60 51 131

Wir freuen uns auf sie /dich

Der Vorstand